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Bedeutungsproduktion statt Dienstleistung. Das LCCA in Riga
Solvita Krese

Als Teil des laufenden Prozesses des "New Institutionalism" unterlaufen viele Kunstinstitutionen verschiedene Transformationen, bewegen sich in Richtung selbstkritischer Reflexion und machen damit einen Schritt weiter im Sinne der Institutionskritik der 1970er und 80er. Diese Prozesse zeitigen allerdings in den unterschiedlichen soziopolitischen Kontexten von West- und Osteuropa entwprechend unterschiedliche Ausformungen.

Als die kommunistischen Regimes in Osteuropa in den frühen 1990ern kollabierten, gab es große Hoffnungen auf eine offenere, reichere und gerechtere Gesellschaft. Viele dieser Erwartungen wurden jedoch im folgenden Jahrzehnt enttäuscht, weil utilitaristische und kurzfristige Interessen sich den Vorrang erkämpften. Bestes Beispiel für die Wirkung dieser Veränderungen und Widersprüche war die Transformation des öffentlichen Raums. Diese bezeichnenden Prozesse in Osteuropa verkörpern sowohl den Fehlschlag der sozialistischen Utopie von geteiltem Eigentum und Kollektivität, wie sie auch die Indifferenz der globalen ökonomischen Netzwerke gegenüber offenen, demokratischen Kulturräumen zeigen.

Die schnelle Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft in Lettland wird durch häufige Regierungswechsel durchschnitten, die regelmäßig unvorhersagbare Veränderungen in unterschiedlichen Feldern mit sich bringen und die Kontinuität vieler Prozesse gefährden. Die aktuelle Situation ist auch durch den Mangel an kritischen Diskursen charakterisiert, der mit der Diskreditierung marxistischer Ideen während der Sowjetzeit erklärt werden kann. Vergleichbar neu ist auch das Gefühl, Teil einer globalen Konsumgesellschaft zu sein. Für einen großen Teil der Bevölkerung ist das Konsumvergnügen aus ökonomischen Gründen noch immer ein Traum. Die Unmöglichkeit, diesen Traum wahrzumachen, verhindert ein klareres Verständnis der Manipulationsmechanismen der korporativen Netzwerke und Medien.

Das ist der Hintergrund, vor dem wir die Transformationen des Latvian Centre for Contemporary Art (LCCA) verstehen können, das in gewisser Weise auch die wechselnden Paradigmen in der Entwicklung des Landes illustriert. Das LCCA wurde auf der Basis des Soros Contemporary Centre of Art entwickelt, das wiederum 1993 als eines von 20 Zentren gegründet worden war, die von der Soros Foundation in Osteuropa und postsowjetischen Ländern etabliert wurden. Für eine bestimmte Zeit war dieses SCCA die einzige Organisation, die zeitgenössische Kunstpraxen förderte, deren Entwicklung regelmäßig vorantrieb und als Katalysator für Veränderungen in Richtung einer demokratischen Gesellschaft fungierte. Nach einer 50jährigen Lücke des Informationsaustausches in der Sowjetzeit waren die SCCA-Aktivitäten von entscheidender Bedeutung bei der Förderung zeitgenössischer Kunstprozesse, die sich im Umfeld des so genannten sozialen Realismus und der dekorativen abstrakten Traditionen entwickelten.

Im Jahr 2000 gründeten das Kulturministerium, die Stadtverwaltung und die Soros Foundation Latvia auf der Basis des SCCA das LCCA. Als Ziel der neuen Organisation wurde die Förderung und Entwicklung der lettischen zeitgenössischen Kunst bestimmt und deren Integration in die internationale Arena. Das LCCA wurde auch damit beauftragt, das Modell für ein zeitgenössisches Museum zu entwickeln, und wurde eine Art kulturpolitisches Instrument, durch das verschiedene kulturpolitische Programme umgesetzt werden mussten. Daraus entwickelten sich als Hauptrichtung der Aktivitäten des LCCA die Sammlung und Verbreitung von Informationen über zeitgenössische Kunst und die Ausstellungsorganisation. Die vom LCCA organisierten Projekte wurden hauptsächlich im öffentlichen Raum veranstaltet und erschienen als kritischer Kommentar oder Versuch, mit einem breiteren Publikum ebenso zu kommunizieren wie mit den lokalen Behörden.

Trotz dieser in Delegation übernommenen "staatlichen" Funktionen wurde das LCCA noch immer als Firma gesehen, die notwendigerweise einen erfolgreichen Zehnjahresplan mit Qualitäts- und Quantitätsindikatoren präsentieren musste. Die wechselnde politische Elite brachte jedes Mal auch Veränderungen für das LCCA gemäß den bestimmenden ideologischen Tendenzen. Das LCCA wurde für seinen zu selektiven Ansatz bei der KünstlerInnenauswahl und den konzeptuellen Lösungen kritisiert und aufgefordert, "sich allen Menschen zuzuwenden". In der Sackgasse zwischen kommerziellen Imperativen und dem Druck populistischer Ideologie einerseits und dem Wunsch, eine kritische Komponente zu bewahren andererseits, beschloss das LCCA im Laufe des letzten Jahres, seine Aktivitäten ohne die permanente Förderung durch Staat und Stadt fortzusetzen.

Das LCCA entwickelt sich derzeit als offene Plattform für verschiedene künstlerische Aktivitäten, als Informations- und Bildungszentrum und als Impulsgeber für Diskussionsräume. Wie andere Kunstinstitutionen auch, orientiert sich das LCCA an einem projektbasierten Arbeitsmodell, als mobile Einheit für die Realisierung von künstlerischen Projekten in alternativen Räumen und als diskursiver virtueller Raum, eher als Bedeutungsproduzent denn als kommissionsorientiertes Dienstleistungszentrum.


Solvita Krese ist Direktorin des LCCA in Riga und Mitglied des steering committee von republicart.
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