Ein Abend im Container25 & Anteaters Against Everything – Antifaschistische Kulturarbeit in Kärnten 

Am 12.12.2014 fand in den Räumlichkeiten des Kulturvereins Container25 das Konzert der Crust Punk Formation Franz Strosuk und der Hardcore Gruppe Remedy statt. Veranstaltet von den Anteaters Against Everything, ein junges autonomes Kollektiv, welches in Wolfsberg seit ca. drei Jahren im gesellschaftspolitisch kritischen Kontext Konzerte & Vorträge veranstaltet. Against „Everything“ – das wird auf diversen Flyern gegen „Racism, Sexism, Police Violence, Homophobia, Cat Calling, Lookism usw.“ eingetauscht. In diesen allerorts vorherrschenden Strukturen wird vor allen Dingen das eigene Umfeld unter die Lupe genommen. Die politischen Veranstaltungen in Form von Vorträgen oder Filmabenden zeigen in differenziert aufgearbeiteten Kontexten Schwerpunkte im antifaschistischen Widerstand in Kärnten und klären u.a. in diversen Vortragsabenden über die rechtslastigen ansässigen Burschenschaften und die Geschichte der Kärntner SlowenInnen auf. In der eher konservativen Kärntner Politlandschaft, die teils immer noch von der sogenannten Haider-Ära geprägt ist, ein immens wertvoller Beitrag politischer Kulturarbeit in Österreich. 
Container 25 Kärnten

An Abenden mit Konzerten der Anteaters Against Everything wird ein großer Ameisenbär an die Decke projiziert (der Name entstand durch das immer wiederkehrende Motiv des Ameisenbärs auf Flyern und wird beliebig ironisch umgedeutet), während unten bereits das Musikset der Bands vorbereitet wird. Die spielenden Bands kommen zum größten Teil wie die VeranstalterInnen aus dem DIY-bereich („Do it yourself“). Die Szene ist musikalisch vielschichtig, das schlägt sich auch im Booking nieder. Sie geht vom feministischen Pop Punk (kürzlich spielte das Grazer Trio Just Friends And Lovers im Container) bis hin zu Hardcore und Metal-Formationen. Es geht nicht darum, mit der Musik oder den Einnahmen einen finanziellen Gewinn zu machen, im Gegenteil, u.a. genau gegen diese Ökonomisierung der Musikszene wird angegangen. Für den Abend wird zwar eine Spende zwischen fünf und zehn Euro angeboten, wer jedoch kein Geld hat, kann trotzdem rein. Wenn es darum geht, MusikerInnen und Publikum den bestmöglichen Abend zu bescheren, darf gutes Essen nicht fehlen. Dafür wird vor den Konzerten eine vegane Volksküche vorbereitet (die ich an dieser Stelle wärmstens empfehlen kann), auch hier gilt das Prinzip der freiwilligen Spende. Allmählich füllt sich der Raum mit BesucherInnen. Die Stimmung ist entspannt, man kennt sich. Musikalisch mag sich das Booking der Anteaters zwar auf den ersten Blick eher an ein jüngeres Publikum wenden, doch finden sich in der Menge BesucherInnen jeden Alters. Auch nach dem Konzert verabschiedet sich die „ältere Garde“ nicht etwa durch die Hintertür, es wird gemeinsam bis zum letzten Lied des DJ-Sets getanzt. 

Besucht man die Facebook seite des Container25 Vereins, erscheint der aktuelle „Beziehungsstatus“ samt dazugehörigem
Herz, mit den Anteaters Against Everything. Ähnlich könnte man
auch die Beziehung zueinander beschreiben, der Verein und das Kollektiv arbeiten eng miteinander zusammen, teilweise sind Mitglieder der Anteaters ebenso Mitglieder im Verein. So werden
die Anteaters auch an diesem Abend von dem Container25-Team unterstützt, bestehend aus Christian Volk, Andreas Radeschnig, Bernhard Teferle und Christoph Volk, die den Container25 vor sechs Jahren ins Leben gerufen haben. Der blau gelbe Turm in Hattendorf, im Herzen des Lavanttales, ragt bunt hervor zwischen kleinen Einsiedlerhäuschen. Er stammt aus dem Familienbesitz der Ehefrau von Christian Volland. Container – das erinnert erst einmal an kühl-kalte Wände aus Stahl. Doch betritt man den im Erdgeschoss befindlichen Veranstaltungsraum, dessen containerhafte architektonische Ausprägung durchaus den Namen bedient und auch zu verdanken hat, so findet man sich in einer gemütlich wohligen Atmosphäre wieder. An der Decke stehen etwa 15 schwarze Gartenzwerge des Künstlers Ottmar Röhl. Die Zwerge wurden u.a. für eine Ausstellung im Rahmen der Installation Dance with the Devil in Straubing und später in Südtirol aufgestellt und gelten als Parodie auf das „Herrenmenschentum“ der Nationalsozialisten, sie zeigen den Hitlergruß (dieser Umstand sorgte vor 2009 für eine Debatte über die Grenzen der Kunst im öffentlichen Raum, nachdem ein anonymes Beschwerdeschreiben bei der Justiz in Nürnberg einging. Die Installation wurde fälschlich in die Nähe rechten Gedankenguts gerückt). Die sogenannte „Herrenrasse“ als schrumpelige Gartenzwerge, eine klare Ansage. 
Der Raum ist Teil einer alten Getreidemühle, welche direkt an den Turm anschließt. Die Idee die verschiedenen Etagen des Turms für Ateliers und die Räumlichkeiten der Mühle als Austragungsort für kulturelle und politische Veranstaltungen zu nutzen, kam erstmals vor ca. sechs Jahren auf. Anfangs fast den Plänen eines drögen Stauraums erlegen, fungiert er heute als Atelier-Pool für zeitgenössische KünstlerInnen, die mit je 50 qm pro Etage und einem herrlichen Blick über Wolfsberg ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Die Arbeiten der KünstlerInnen werden einmal im Jahr zum Sommer in einem Atelierfest ausgestellt. 
Um dem bis dato losen Kollektiv rasch eine rechtliche Grundlage zu geben, wurde ein Verein gegründet. Seitdem hat sich viel getan. Es gibt einen Backstageraum für die auftretenden KünstlerInnen und seit vier Jahren auch Toiletten. Deren Bau erforderte eine Subvention der Gemeinde Wolfsberg, einer der wenigen, die der Verein in Anspruch genommen hat, denn die Annahme von Fördergeldern ist ein viel diskutiertes Thema (ein Großteil der baulichen Maßnahmen wurde aus privater Kasse bezahlt). Denn der Container25 und vor allen Dingen das autonome Kollektiv der Anteaters Against Everything wollen bisher staatliche Förderungen jeglicher Art vermeiden. Die Meinungen sind gespalten. Die 

Anteaters kommen größtenteils aus einem Spektrum, in dem Staatsund Systemkritik eine wichtige Rolle einnehmen. Sich nun von jenen fördern zu lassen und somit das Prinzip der Autonomie zu verletzen, erscheint den meisten als widersprüchlich. Auch auf die Gefahr hin, der Willkür der Vergabe von Fördergeldern ausgesetzt zu werden, lässt vieles dagegen sprechen. Gleichzeitig wird aber auch darüber diskutiert, dass vom Staat vergebenes Geld gut für die eigenen Ideale ausgenutzt werden kann, bevor es beispielsweise in die Hände von traditionalistischen Trachtenvereinen gelangt. Auch die Sorge, durch Fördergelder stärker in die Nähe und Zusammenarbeit mit ansässigen Parteien zu gelangen, die sich nur zu gern mit dem mittlerweile renommierten „Künstlerturm“ und den Konzerten schmücken wollen, spielt eine Rolle. In einer kürzlich veröffentlichen Stellungnahme des Container25 (12.02.2015) distanziert sich der Verein mit deutlichen Worten: „In der Ausgabe der Postwurfes ,Grünes Blatt – die Gemeinde-Info der Grünen Wolfsberg‘, welcher in diesen Tagen an viele Haushalte in Wolfsberg ergeht, steht als Erfolge der Grünen angeführt; „gemeinsam mit dem Container25 in Hattendorf konnten hochkarätige Veranstaltungen auch für Jugendliche nach Wolfsberg gebracht werden.“ Dies ist eine völlig falsche und verwerfliche Unterstellung der Grünen. In der bisweilen sechsjährigen Kulturarbeit der Kulturinitiative Container25 wurden niemals parteinahe Veranstaltungen durchgeführt, und der Verein wird sich auch in Zukunft weiterhin der gesellschaftspolitischen Themen in der Kunst und Kultur abseits jeglicher Parteinähe annehmen. Wir verstehen uns als Vermittler von Gegenkultur und stellen Normen und Werte der Mehrheitskultur infrage. Der Verein arbeitet weder mit finanzieller noch sonstiger Unterstützung irgendwelcher Parteien oder parteinahen Organisationen und bleibt unabhängig und autark.“ Die Diskussion über das Zulassen von Subventionen dürfte damit sicherlich noch lange nicht vorbei sein. 
Die Zusammenarbeit des Container25 mit den Anteaters Against Everything stellt eine besondere Symbiose antifaschistischer Kulturarbeit dar, welche hoffentlich noch lange fortbestehen wird. Für zukünftige Veranstaltungen empfiehlt sich ein Besuch der Homepage www.container25.at, oder – noch besser, ein Sprung ins Auto, die dreistündige Autofahrt von Wien nach Wolfsberg war definitiv die „Mühen“ wert. 


 

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