Karola Sakotnik übernimmt bei der IG Kultur. Die Karenzvertretung der Geschäftsführung im Antrittsinterview.

Unsere Geschäftsführerin Yvonne Gimpel, die sich im letzten Jahr in der Pandemie über jede Neuerung und Verordnung und in jedes Interview gestürzt hat, bekommt ein Kind und geht in die Babypause. Wir freuen uns mit ihr und freuen uns auch darauf, wenn sie wieder zu uns zurückkehrt. Indessen übernimmt Karola Sakotnik die Karenzvertretung. Im Antrittsinterview haben wir mit ihr darüber gesprochen, wie ihre Anfänge in der freien Szene waren, wie wichtig es ist, über den Tellerrand zu schauen und was sie vom kommenden Jahr erwartet.

Patrick Kwasi: Liebe Karola, was hat dich eigentlich an der Aufgabe IG Kultur gereizt?

Karola Sakotnik: Ich habe Kulturinitiativen in der Südoststeiermarkt mit meiner Agentur betreut und wurde damit als Teil dieser Kulturinitiativen wahrgenommen. Ich habe dann den Auftrag gekriegt, ihre Angebote für den Tourismus sichtbar zu machen. Mir war schnell klar, dass das Ansinnen des Tourismus ist, damit Geld zu verdienen. Die Kulturinitiativen arbeiten aber auf ganz anderer Basis! Mir ist das auch sehr klar geworden, als wir um eine größere Förderung angesucht haben. Da war klar, dass erwartet wird, dass hochqualitative Arbeit gemacht wird, diese soll aber am besten im Ehrenamt geleistet werden, damit Tourismus bedient werden kann. Das geht als Gleichung einfach nicht auf! Da hat mein Interesse für Kulturpolitik in Österreich begonnen. 
Ich habe mich dann zunächst gefragt, ob ich hier überhaupt reinpasse, da ich ja keinen Hintergrund in der Kulturpolitik habe, sondern aus der Kulturarbeit komme, also auf der einen Seite dem Kulturmanagement, Arbeit mit dem Tourismus und arrivierten Kunstschaffenden, Institutionen, etc. auf der anderen Seite ursprünglich aber aus der freien Kulturarbeit komme. Ich habe ja auch eine Ausbildung an der Zirkusschule Dimitri gemacht für Körpertheater und Theaterkreation, Tanz, Akrobatik, Theaterimprovisation, andererseits auch ein Studium absolviert, in dem es um Entrepreneurship in der Kultur ging. Der Teil der Kulturpolitik ist aber nicht wegzudenken. 
 

 

Kwasi: Du hast auch einen Wirtschaftshintergrund. Ein Problem ist ja, dass häufig wirtschaftliche Maßstäbe an die Kultur gesetzt werden…

Sakotnik: Gleiche Maßstäbe anzulegen macht keinen Sinn. Es wird was Anderes gemacht, insofern macht das keinen Sinn. Ich sehe aber sehr oft, dass eine Unterordnung an diese Maßstäbe stattfindet. Es scheint anerkannt, dass man das fast unrebellisch akzeptiert. 

 


Kwasi: Deine freie Szene Zeit ist eher in deiner jüngeren Karriere, wenn ich das richtig sehe, jetzt kehrst du ein wenig dazu zurück. Warum? 

Sakotnik: Ich habe das Gefühl, das ist so, aber mit einem anderen Bewusstsein. Ich habe sieben Jahre nur in der freien Szene gearbeitet, dann war ich bei den Vereinigten Bühnen Graz, auch bei den Roten Nasen als Gründungsclown dabei, und habe nach meinem ICCM Master (International Centre for Culture and Management) in Hamburg für einen Konzern gearbeitet. Was ich bei der Arbeit für den Konzern gesehen habe, nachdem ich zuvor viel Administration und Hintergrundarbeit gemacht habe, nachdem ich viel in Produktionen und als Regisseurin tätig war, ist, wieviel Wissen man sich in der freien Szene aneignet, ohne es zu realisieren. Das habe ich auch bei vielen Kollegen beobachtet. In großen Zusammenhängen zu denken, in Bögen zu denken. Das braucht aber die Gesellschaft. Wir haben Big Data und keiner kann die Befunde lesen oder deuten. Leute in der freien Szene sind aber Meister im Deuten. 

 

 

Kwasi: Du hast ja sehr wohl regional wie international gearbeitet. Was nimmt man von internationalen Projekten oder der Vernetzung mit? 

Sakotnik: Was mich fasziniert hat, sind Dinge, dass wenn du in anderen Kulturkreisen bist, man sich mit anderen Sprachen auch ein anderes Denken aneignet, andere Kanon und Tabus. Diese Mischung ist für mich sehr spannend. 

 


Kwasi: Würdest du Initiativen empfehlen international zu arbeiten?

Sakotnik: Ich würde unbedingt empfehlen international zu arbeiten, weil es wirklich auf allen Ebenen bereichert, weil es viele Möglichkeiten gibt, neue Lösungen und künstlerische Ausdrucksformen kennenzulernen. 

 


Kwasi: Was erwartest du von deiner Arbeit hier? 

Sakotnik: Als Karenzvertretung ist mir klar, dass die Dinge die anstehen, gut und würdig weitergeführt werden müssen. Ich übernehme etwas, dass sehr gut geführt ist, und klare Ziele und Aufgaben für das kommende Jahr hat. Es ist angenehm etwas so zu übernehmen. Gleichzeitig bin ich neugierig, weil darum herum viel passieren kann, man weiß ja nicht, ob die Regierung bestehen bleibt, was sich da ändert, was vielleicht liegenbleibt und nach der Pandemie wieder aufgenommen werden muss. Vor allem weil es so viele Kulturarbeiter*innen gibt, die man nicht vor das Nichts stellen kann!

 


Kwasi: Du kommst in einer Zeit ans Ruder, in der niemand ganz genau weiß, wie es weitergeht, vielleicht ist es der Ausläufer der Pandemie und das schlimmste Überstanden, vielleicht kommen noch Lockdowns - was erwartest du für das nächste Jahr?

Sakotnik: Ich würde mir wünschen, dass man agieren und nicht nur reagieren kann. Ob das in den nächsten Monaten möglich wird, wage ich zu bezweifeln. Ich sehe viele Baustellen, weil die Nachwirkungen der Pandemie aufgefangen werden müssen, man aber auch sieht, dass Leute wieder gern in Kulturveranstaltungen gehen. Da gibt es viel zu tun. Das wird einem wohl leichter gemacht, aber es braucht nur kälter werden und die Zahlen wieder steigen und dann wird man sehen, was passiert. 
Gleichzeitig kann es auch sein, dass es diese Transformation, die eine Pandemie in sich trägt, die Möglichkeit birgt, dass die Gesellschaft sich neu denken kann. Das kann auch ein Vorteil sein. Es könnte sein, dass gerade hier kritische Stimmen wichtig werden. 
 

 

 

Karola Sakotnik

 

Karola Sakotnik
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Karola Sakotnik ist Geschäftsführerin in Karenzvertretung der IG Kultur Österreich. 

 

 

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