Kultur allein zuhause: Stimmen aus dem Sektor zur Coronakrise

Die Maßnahmen gegen das Corona-Virus treffen auch den Kulturbereich hart: Veranstaltungen können nicht stattfinden, Projekte verzögern sich, Einnahmen fallen aus, man muss von zuhause aus weiterarbeiten. Gleichzeitig bleiben Fixkosten bestehen – eine große Herausforderung ist die Krise auch für das Fortbestehen freier Kulturinitiativen. Was für Probleme stellen sich den Kulturschaffenden? Wie reagiert die Politik? Was machen Kulturtreibende aus der Situation und wie bewerten sie die Lage?
Kultur Coronakrise

Yvonne Gimpel, IG Kultur

„Während das öffentliche Leben runtergefahren wird, ist für uns jetzt eher Hochbetrieb, wenn auch vom Homeoffice aus. Jetzt braucht es Interessensvertretung mehr als je zuvor, weil wir in kontinuierlichem Austausch mit Politik und Verwaltung sind, um Fakten zu schaffen: Was heißen die Maßnahmen für die Praxis? Welche Unterstützungmöglichkeiten sind angedacht? Wir stehen vor massiven finanziellen Schwierigkeiten bis hin zur Zahlungsunfähigkeit für unzählige Kulturakteur*innen mit Konsequenzen, die nicht abschätzbar sind. Für uns ist eine sehr intensive Zeit und wir sind bemüht alle die Fragen, die uns täglich erreichen, gut und auch rechtlich verbindlich zu beantworten, sodass ihr weiterarbeiten könnt und man - irgendwann -  wieder zu einer Art Normalzustand zurückkehren kann.“

 

Heidrun Primas, Forum Stadtpark

„Der ganze Park ist leer und ich stehe auch vor einer Ausstellung, die wir aufgebaut haben und nicht zeigen konnten. Wir haben die letzten Tage intensiv daran gearbeitet, zu verstehen, was passiert und wie man verantwortungsvoll handeln kann und sind auch in laufendem Kontakt mit dem Team und den Künstler*innen. Sehr viele Leute, mit denen ich rede, sehen aber auch die Chance der Krise. Das geht über das Kunst und Kulturfeld hinaus, zum Zustand der Gesellschaft. Es ist eine Chance, Dinge neu zu sortieren und zu schauen, was es für andere Möglichkeiten gibt, in Mobilitätsfragen, wie der Individualverkehr gerade reduziert ist, wie man den Tourismus verändern kann zu einer anderen Form – es ist ein Moment darüber nachzudenken, wie wir diese Gesellschaft formen wollen.“

 

Evelyn Schalk, Wandzeitung

„Ich bin mit zwei Projekten beim Kulturjahr 2020 vertreten, das gerade verschoben wurde. Eine Verschiebung war auch sinnvoll, aber es ist unklar, wann eine Fortsetzung wieder möglich sein wird. Mit der Verlängerung bis in den Sommer 2021 gehen für alle Beteiligten erhebliche Mehrkosten einher. Es wurde jetzt schon intensiv gearbeitet, die Mittel sind verplant, aber es kommen Zusatzkosten auf alle hinzu, Stornogebühren, zusätzlicher Aufwand und ich sehe noch nicht, wie das finanzierbar ist. Da bräuchte es eine Aufstockung des Budgets um den zusätzlichen Aufwand abzugleichen.“

 

Andrea Egger-Döres, Das anderen Theater

„Die Leute gehen davon aus, dass die Frühjahrssaison gelaufen ist. Es wird auch nach den Maßnahmen noch eine Zeit brauchen, bis die Produktionen wieder in die Gänge kommen. Da stellt sich dann die Frage, ob alle Termine möglich sein werden, weil so viele ihre Produktionen nachholen wollen werden. Es gibt einige Theater, die Leute in fester Anstellung haben, was viel Geld kostet. Es gibt auch viele, die Freischaffend unterwegs sind, die es besonders hart trifft, weil die jetzt kein Einkommen haben. Die existenziellen Sorgen betreffen also nicht nur dieses Jahr, sondern auch, wie es danach weitergeht.“

Margarethe Maierhofer-Lischka, Schallfeld Ensemble

„In unserem Fall ist es so, dass viele Sachen ausfallen und verschoben werden. Wenn der Betrieb danach weiterläuft, wie soll man danach alles auffangen? Momentan haben wir ein Loch und danach brechen wir zusammen. Momentan habe ich das Gefühl, dass alle mal aus eigenen Mitteln heraus zu tun, was man tun kann, aber da wird es Unterstützung von Gesellschaft und Politik brauchen, gerade wenn es um soziale Absicherung geht. Was uns jetzt auch zum Nachdenken bringen wird, ist auch die Frage, wie machen wir derzeit Kunst und wie steht das in Bezug zu unserem Leben und wie wollen wir das weiterhin tun. Ich hoffe, dass das auch einen Raum eröffnet, gemeinsam als Gesellschaft darüber nachzudenken.“

 

Susanne Weitlaner, Obfrau Pavelhaus

„Wir möchten das Programm umsetzen, aber man wird auch danach nicht alles hinein quetschen können, was man jetzt nicht realisieren kann. Einzelne Veranstaltungen wie Lesungen sind noch einfacher, aber Ausstellungen und Veranstaltungen, die über einen längeren Zeitraum gehen, wird man nicht so einfach unterbringen können, auch weil da zu viele Personen dranhängen. Bei uns wird niemand gekündigt, wir arbeiten einstweilen an Dingen, die sonst immer liegengeblieben sind. Die Frage ist, wie das sein wird, wenn das länger dauert. Dann werden wir uns eine Lösung überlegen müssen, aber Kündigungen sind für mich der allerletzte Schritt.“

 

 

Laufende Infos über die Maßnahmen, die den Kulturbereich betreffen und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt, kriegt ihr von uns auch weiterhin. Wir bitten auch alle Kulturschaffende an der Datenerhebung teilzunehmen, mit welcher wir versuchen, die Einnahmensausfälle zu ermitteln. Das soll dann Grundlage sein, die benötigten Hilfsmaßnahmen zu ermessen. 

 

FAQ Corona-Virus & Veranstaltungsverbot

Unterstützungsmöglichkeiten für von COVID19-Maßnahmen betroffene Kunst- und Kulturakteur*innen

Datenerhebung: Einnahmenausfälle von Kulturvereinen in Folge des Corona-Virus

 

Beitrag als Podcast:

 


 

 

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