VorRisse

Stepan zeigt historische Entwicklungen bis zum heutigen Tag auf und konstatiert, dass in einer Zeit, in der durch das Internet und hier im Speziellen seit der Entwicklung von Napster Information zu einem tatsächlich öffentlichen Gut geworden sei, der Versuch, „die Rechtsordnung über diesen technologischen Bruch zu retten“, zu „der gegenwärtigen Situation geführt habe, in der es nur VerliererInnen gibt“.

2010 jährt sich der Geburtstag des Statue of Anne zum 300sten mal. Weniger dieser runde Geburtstag denn das aktuelle Ringen um eine Neuformulierung der Regelungen zum Copyright im digitalen Zeitalter waren Anlass für den Schwerpunkt dieser Ausgabe. Wir starten die Oppositionen mit einem kurzen Glossar zum UrheberInnenrecht von Clemens Apprich, das von DRM bis WIPO Auskunft gibt zu wesentlichen Eckpfeilern der gegenwärtigen Debatten. Das Statue of Anne erwähnt auch Paul Stepan in seinem Text 300 Jahre Copyright und Copyleid. Stepan zeigt darin historische Entwicklungen bis zum heutigen Tag auf und konstatiert, dass in einer Zeit, in der durch das Internet und hier im Speziellen seit der Entwicklung von Napster Information zu einem tatsächlich öffentlichen Gut geworden sei, der Versuch, „die Rechtsordnung über diesen technologischen Bruch zu retten“, zu „der gegenwärtigen Situation geführt habe, in der es nur VerliererInnen gibt“. „Content – das Öl des 21. Jahrhunderts“ zwischentitelt Juliane Alton in ihrem Beitrag zum UrheberInnenrecht im Irrgarten der Interessengruppen. Sie benennt dessen eigentliche Ziele nochmals, um sich dann den unterschiedlichen ProtagonistInnen der gegenwärtigen Debatte in Österreich zu widmen. Dass neue Geschäfts- und vor allem Denkmodelle nötig sind, war Konsens in dem von den Kulturrissen mit den Medientheoretikern Volker Grasmuck und Felix Stalder geführten Gespräch. Während Grassmuck als deklarierter Befürworter der Kulturflatrate gilt, hält Stalder in erster Linie die Diskussion darum für relevant und sieht vor allem in Bezug auf die Verwertungsgesellschaften Reformbedarf. Christina Nemec fokussiert in ihrem Text auf die Musik, primär jene jenseits der Industrie und deren ProtagonistInnen im Spagat zwischen neuen Formen der Produktion und Verbreitung und weniger neuen Modellen der sie eigentlich vertretenden Verwertungsgesellschaften. Abschließend widmet sich Franz Thalmair dem Google-Touch. Seit 2004 hat Google mit Unterstützung renommierter Bibliotheken Millionen von Büchern digitalisiert, doch nicht alle AutorInnen und RechteinhaberInnen zeigten sich von der „digitalen Weltbibliothek von Alexandria“ begeistert.

Die Kulturpolitiken warten mit einem kleinen Subschwerpunkt zur aktuellen Studierendenbewegung in Österreich auf – und auch sonst bietet das Heft, wie wir hoffen, ausreichend interessantes Material für den Wechsel ins neue Jahr

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