Kulturstudie Vorarlberg 2010

Im August und September 2010 hat die IG Kultur Vorarlberg in Kooperation mit der Fachhochschule Vorarlberg eine Untersuchung durchgeführt, in der die Vorarlberger Bevölkerung zu ihrem Kulturkonsum und eigenen kulturellen Aktivitäten befragt wurde.

Zusammenfassung

Kulturbegriff für weitere Forschung:

* Keine Beschränkung auf bestimmte Anbieter (z.B. Landestheater)
* Einschätzung der „Studienobjekte“ aufgreifen – Prinzip Augenhöhe

Intensität der Kulturnutzung und Gründe dafür

* Das Kulturpublikum besucht 1 – 2 Kulturveranstaltungen pro Woche, Kultur ist Teil des Alltags
* Kino ist der Spitzenreiter, Musik, Theater, Ausstellungen, Festivals und Literaturveranstaltungen folgen
* Persönliches Interesse ist das wichtigste Motiv, emotionale Motive wie Erlebnis, Unterhaltung, Entspannung sind wichtiger als kognitive Motive Wichtigstes Auswahlkriterium ist die (subjektive) Qualität des Pro-gramms, Atmosphäre, Kartenpreise und Entfernung folgen
* Viele würden gern mehr Musikveranstaltungen besuchen, auch Festivals und Theater haben noch Potenzial
* Zeitmangel hindert 2/3 daran, die Wegstrecke und die Kosten sind weitere wichtige Hinderungsgründe, langweilige Angebote oder schlechte Künstler/innen spielen eine geringe Rolle


Ausgaben für Kultur

* Im Durchschnitt gibt jede/r Befragte 171,47 Euro im Monat für Kulturkonsum aus, da sind Buchkäufe, Zeitschriften und (Bild)Tonträger inkludiert
* Den Löwenanteil machen Druckwerke aus, Musikveranstaltungen folgen, danach Festivals, Theater, CD/DVD, Kino, Ausstellungen und Literatur
* Es gibt die Bereitschaft, mehr für Kulturkonsum auszugeben

Lokal – regional – überregional

* Die Zufriedenheit mit dem Angebot ist insgesamt sehr groß
* Am schlechtesten schneidet in jeder Hinsicht das lokale Kulturangebot ab
* Langweilige oder unzutreffende Angebote, Qualität der Künstler/innen, zu wenig für Familien (letzteres auch beim regionalen Angebot) werden bemängelt
* Wer mehr Kulturveranstaltungen besucht, dessen Ansprüche steigen
* Die Wertschätzung für regionale und internationale Künstler/innen ist etwa gleich hoch
* Mehr Menschen bevorzugen kleinere Events gegenüber großen

Eigene Kulturaktivität

* Gut die Hälfte der Befragten ist selber kulturell aktiv
* Wer viel Zeit in kulturelle Hobbys investiert, besucht häufiger Kulturveranstaltungen

Informationen über Kulturveranstaltungen, Kulturvermittlung

* Informationen über Kulturveranstaltungen sind sehr gefragt
* Interesse an Kulturvermittlung besteht
* Die klassisch-autoritäre Form der Kulturvermittlung (vor- und nachbereitende Workshops) ist aber passé


Kinder und Kultur

* Fast alle meinen, dass es wichtig ist, Kindern Kultur näher zu bringen
* Die Schule soll in der Hinsicht mehr tun als bisher
* Auch Eltern und Kultureinrichtungen wird diese Aufgabe zugesprochen
* Eltern bräuchten in dieser Hinsicht mehr Unterstützung
* Fast die Hälfte gibt aber kein Geld für Kultur in der Schule aus und zeigt auch wenig Bereitschaft, dies vermehrt zu tun
* Dies hat in erster Linie soziale Gründe
* Viele machen sich aber Gedanken, wie Kinder für Kultur interessiert werden können

Kulturförderung

* Die Mehrheit der Befragten meint, Kultur werde ausreichend gefördert.
* Dies trifft insbesondere auf Festivals zu, weniger stark auf Ausstellungen, Theater, Kino, Musik und Literatur
* Kulturförderung wird insgesamt aber als legitim und wichtig erachtet, da Kultur wichtige Leistungen für Land und Gesellschaft erbringt. Ablehnende Antworten liegen unter einem Drittel, positive über 60%
* Sowohl ideelle Werte werden gesehen (Weiterentwicklung der Gesellschaft, sozialer Zusammenhalt...) als auch wirtschaftliche (Nutzen für ein Fremdenverkehrsland, materieller Mehrwert...) werden gesehen.
* Für eine aktive, selbst bewusste Kulturpolitik gibt es starken Rückhalt

Sozialer Status

* Alle Berufe abgefragten (bis auf das Militär) werden positiv eingeschätzt Professionelle Kulturschaffende erhalten einen höheren Rang als Amateure

Hypothesen

* Wer ist kulturell aktiv und bewertet Kulturförderung positiv? Frauen mit hoher Bildung, diejenigen mit kulturellen Hobbys, jüngere und mobilere Menschen
* Diesen ist es besonders wichtig, Kultur Kindern nahe zu bringen
* Viel Geld geben diejenigen aus, die viele Veranstaltungen besuchen und hohen Medienkonsum aufweisen, auch diejenigen, die Entspannung suchen
* Das Einkommen steht nicht in Relation mit der Häufigkeit der Besuche von Kulturveranstaltungen

Maßnahmen

Ein neuer, breiter Kulturbegriff entsprechend dieser Studie muss in der Kulturforschung Standard werden, auch im Zusammenhang mit dem Mikrozensus. „Forschungsobjekten“ muss dabei Subjektstatus zugebilligt werden.

Überlegungen zur Preispolitik (Buchpreisbindung hat eine allgemein positive Wirkung entfaltet), zu überlegen sind Mindestpreise für Kindertheatereintritte bei gleichzeitiger Anpassung der Förderungshöhen. Die soziale Schere zu schließen ist in diesem Bereich besonders wichtig.

Erforscht muss werden, welche Bevölkerungsgruppen am meisten von öffentlichen Förderungen im Kulturbereich profitieren und Ausgleichsmöglichkeiten überlegt werden.

Die Daten der gegenständlichen Studie müssen ergänzt werden um Personen aus dem bildungsfernen Bereich. Dabei müssen Motive für Kulturinteresse und Hinderungsgründe genau erforscht werden.

Informationspolitik zu den lokalen und regionalen (wirtschaftlichen und sozialen) Auswirkungen eines differenzierten Kulturangebots – in Kooperation mit Vision Rheintal und Büro für Zukunftsfragen.

Mehr Angebote für Familien im lokalen Bereich. Großveranstaltungen (insbesondere Neuentwicklungen) strukturell hinterfragen.

Partizipative Präsentations- und Vermittlungsformen, die Besucher/innen als mündige Menschen betrachten, erforschen und verstärkt fördern.

Die Zusammenarbeit der drei Bereiche, Schule, Eltern und Kultureinrichtungen muss verstärkt gefördert und von Kultur- und Bildungspolitik unterstützt werden.

Von Seite der Kultur- und Bildungspolitik muss ein sozialer Ausgleich in Hinblick auf den Zugang von Kindern und jungen Leuten zu Kunst und Kultur erreicht werden (Stichwort „Kulturrucksack“).

Höhere Wertschätzung musischer Fächer in der Schule, Etablierung neuer Fächer wie Theaterkurse und Kulturelle Bildung.

Verstärkte Informationspolitik betreffend Kulturförderung, die Wirkung der Kultur als Zukunftsmotor stärker ins Blickfeld rücken.

Ergänzende Maßnahmen zur Stärkung des Ehrenamts im Kulturbereich (insbesondere Programm- und Organisationsarbeit) z.B. durch Weiterentwicklung der Ehrenamts-versicherung.

Professionalisierung im Kulturbereich vorantreiben und Entprofessionalisierungs-tendenzen entgegen wirken (Fortbildungs- und Reisestipendien, Richtgagen als Standards verwenden, wo vorhanden).