Es bleibt ernst. Sicherungs- und Neustartprogramm für den Kultursektor gefordert!

Corona hat das Kulturleben weiterhin fest im Griff. Niemand macht sich Illusionen, dass ab 1. Oktober wieder ein regulärer Kulturbetrieb möglich ist. Mit Ende September enden jedoch die Unterstützungsleistungen für sämtliche gemeinnützig arbeitenden Kultureinrichtungen und -vereine. Danach kommt das Nichts. Wir appellieren an die Politik: Verhindern sie ein Sterben auf Raten im Kultursektor, schaffen sie ein umfassendes Sicherungs- und Neustartprogramm um das Überleben des Kultursektors zu sichern! 
Corona Kultur Veranstaltungen Regelungen

Auch weiterhin gelten strikte Beschränkungen für sämtliche Kulturveranstaltungen, wie Limitierung der Besucher*innenzahl, Abstandsregelungen und Hygienemaßnahmen. Ein Ausweichen auf Veranstaltungen im Freien ist immer weniger möglich, die strengeren Bedingungen für Indoor-Veranstaltungen kommen zum Tragen. Indoor-Veranstaltungen bedeuten weniger Publikum und höheres Infektionsrisiko sowie erheblich höhere Kosten. Das ist auch der Politik bewusst. Erst kürzlich stimmte Kanzler Kurz die Öffentlichkeit darauf ein, die sozialen Kontakte im Herbst und Winter wieder stärker einzuschränken. 

Die Konsequenz für Kulturveranstalter*innen ist klar: weniger Publikum, höhere Einnahmenverluste und Mehrkosten bei gleichzeitig steigendem Risiko. Im Fall einer notwendigen Verschärfung der Corona-Maßnahmen (etwa durch ein „Umschalten“ der Ampel) oder eines Verdachts- oder Ansteckungsfalles im Team muss das Programm abgesagt werden. Das Risiko und die Mehrkosten, um weiterhin ein Kunst- und Kulturangebot für die Bevölkerung anzubieten, wird jedoch gänzlich an die Kunst- und Kulturveranstalter*innen ausgelagert. Denn just zu jenem Zeitpunkt, an dem sich die Bedingungen absehbar wieder verschärfen, endet die Corona-Unterstützung für sämtliche gemeinnützig arbeitenden Kultureinrichtungen und -vereine. Der NPO-Fonds, der Unterstützung zur Bewältigung laufender Fixkosten (ohne Personal) für gemeinnützig, also nicht-gewinnorientiert arbeitende Organisationen (NPOs), läuft Ende September aus. Ein Nachfolgeprogramm ab 1. Oktober ist nicht in Sicht. 

Wir fordern ein umfassendes Sicherungs- und Neustartprogramm für den Kultursektor, um das Überleben des Kultursektors über die Krise hinweg zu sichern. Das bedeutet ein Maßnahmenbündel, dass die Realitäten der Arbeitsweisen im Sektor widerspiegelt:  

 

  • Entschädigungen für pandemiebedingte Einnahmenverluste und Mehrkosten über die Dauer der Krise hinweg um den Erhalt der kulturellen Infrastruktur und ihrer Kulturangebote zu sichern - analog zu den Programmen, die für andere Branchen geschaffen wurden; 
  • Neustartprogramm für eine Wiederaufnahme des Kulturbetriebs
    der über den Erhalt der Infrastruktur hinaus auch erforderliche Investitionen für eine Wiederaufnahme abdeckt, insbesondere in der Freien Szene Kosten für Projektentwicklungen und Honoraren / geringfügigen Anstellungen; 
  • Ausfallsfonds für Kunst- und Kulturveranstaltungen
    um das Risiko von Covid-bedingten kurzfristigen Absagen abzufedern, die andernfalls zum finanziellen Ruin für die Veranstalter*innen werden können;   
  • Förderung digitaler Kompetenzen und Kulturangebote 
    der seit zwei Jahren angekündigte Digitale Call für Kunst und Kultur muss endlich ausgeschrieben werden; 

 

Andernfalls müssen wir abermals feststellen, dass der Kulturbereich, der in weiten Teilen gemeinnützig agiert, in der Prioritätenliste der Regierung scheinbar zuletzt kommt. Denn für gewinnorientierte Betriebe soll der Fixkostenzuschuss um weitere sechs Monate verlängert, leichter zugänglich und im Umfang des Zuschusses massiv erhöht werden. Spezifische Instrumente, die Covid-19 bedingte Mehrkosten wie Covid-Tests übernehmen und damit die Sicherheit für alle, Beschäftigte wie Publikum, erhöhen, gibt für einzelne Sektoren wie den Tourismus und die Gastronomie, nicht jedoch den Kulturbereich. Instrumente, die das Risiko von Ausfällen abfedern, fehlen im Kulturbereich ebenso.  

 

Aus der löchrigen Plane muss endlich ein solider Rettungsschirm werden, der den Erhalt von Kulturräumen, eines Kulturangebots für die Bevölkerung sowie der damit verbunden Beschäftigungen ermöglicht!

 

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