IG KulturGespräch mit Landesrätin Dr.in Bettina Vollath

Kulturpolitische Schwerpunkte der Landesrätin: die Vielfalt in der steirischen Kultur erhalten, Frauenförderung in der Kultur und Neustrukturierung des artist in residence-Programmes

IG KulturGespräch mit Landesrätin Dr.in Bettina Vollath
04.02.2010, Postgarage, Graz
>> an.schläge März 2010
>> 7 vor 7 Kulturjournal – Freitag, 05.02.2010 Radio Steiermark
>> Audio File: 7 vor 7 Kulturjournal, Freitag, 05.02.2010 (mp3)

DIE ERGEBNISSE
Kulturpolitische Schwerpunkte der Landesrätin
• die Vielfalt in der steirischen Kultur erhalten
• Frauenförderung in der Kultur
• Neustrukturierung des artist in residence-Programmes
• bessere Verteilung der Bundesförderung auf die Bundesländer

Budgetkürzungen 2011
Zu den düsteren Vorzeichen für das Budget 2011 verweist die Landesrätin auf die Einnahmeausfälle seitens des Bundes, die in den Verhandlungen für das Doppelbudget 2009/10 nicht vorausgesehen werden konnten. Der Konsolidierungsprozess konnte aber ohne das Kulturbudget einzuschränken fortgesetzt werden. 2011 wird lt. Bettina Vollath eine Riesenherausforderung, da von 5 Milliarden  Euro im „worst case“ eine Milliarde fehlt. Es werde vermehrt Aufgabenkritik und schmerzhafte Diskussionen geben, aber keine Diskussion darüber, ob wir Kultur überhaupt bräuchten und keine überdimensionalen Kürzungen. – Hingewiesen darauf, dass Budgetkürzungen in den Kulturinitiativen einem kulturellen Kahlschlag gleichen und die Arbeitslosigkeit bzw. die Armutsgefährdung im Land drastisch erhöhen würden, weil die Gehälter von KulturarbeiterInnen jetzt schon im Schnitt 30% unter dem von der GPA empfohlenen Gehaltsschema für Vereine liegen und 37% der KünstlerInnen unter der Armutsgrenze leben, versichert die Landesrätin, dass es die Sechstelsperre geben werde, dass aber die Verträge eine Bindung mit den Kulturinstitutionen darstellen würden, an die man sich auch halten werde.

Valorisierungen
Mieten, Betriebskosten und viele andere Kostenpunkte steigen, die Förderungen werden bestenfalls nicht gekürzt.
Valorisierungen seien kein Bestandteil der Dreijahresverträge, deshalb wurden die bestehenden Verträge individuell neu verhandelt und die Empfehlungen des Beirates noch aufgebessert, so Vollath.  – Dagegen beinhalten aber die laufenden Verträge mit Landeskultureinrichtungen eine Valorisierungsklausel. So gibt es bei der Theaterholding eine Aufbesserung von 1,1%, und das riecht sehr nach einer Wertanpassung. Klingt auch nicht viel, nur bei einer Fördersumme von 21 Mill. Euro ergibt das einen Betrag von über 210.000 €uro, ein Fünftel des Budgets der autonomen Szene.


Budgetumverteilung
Konfrontiert mit den Zahlen der Theaterholding sowie der inzwischen auch vom Landesrechnungshof beanstandeten Projektförderungsbeträgen für das Universalmuseum Joanneum verspricht die Landesrätin sich die Relationen in der steirischen Förderlandschaft genau anzuschauen, da die Umverteilung ein ernstes Thema im Landeskulturressorts sei, verweist aber gleichzeitig auf die bis 2012 gebundenen Verträge der Landeskultureinrichtungen. Die Kritik sieht Bettina Vollath aber als Arbeitsauftrag, um an einer Umverteilung zu arbeiten.

Programm oder Politik
absolutly punk? Vollath verwies darauf, sich nicht über Eigenproduktionen selbst verwirklichen zu wollen, dass sie aber in Bezug auf Schwerpunktthemen, wie Frauen in der Kultur, Jugend und Kultur, sowie das Angebot von Auftrittsorten sehr wohl Einfluss nehmen werde. Auch auf die Frage nach stärkerer Einbindung der freien autonomen Kulturszene in das Festival „Regionale“ bemerkt die Landesrätin konsequent, dass Einflüsse der Politik in den künstlerischen Aspekt nicht erwünscht seien, Stichwort Staatskunst. Sie werde deshalb auch keine künstlerische Einmischung betreiben, aber Diskussionen im Vorfeld initiieren. Sollten diese Diskussionen im Vorfeld dazu führen, dass es strukturelle Änderungen bei den Einreichkriterien gibt, und eine Klausel gefunden würde, die eine prozentuelle Einbindung der autonomen Szene fordert, wäre das würdig und recht.

Mediale Präsenz
Angesprochen darauf, dass die autonome Szene bei der Berichterstattung in den Medien vernachlässigt wird und somit nicht dieselbe Breitenwirkung erhält wie renommierte Kulturinstitutionen verspricht die Landesrätin Unterstützung, falls dies bei den Zugängen zur „Sieben Tage“-Broschüre der Fall sei.

Abrechnungsrichtlinien
Auf den Exkurs in die Trauttmansdorffgasse, wo scheinbar noch immer daran gearbeitet wird Abrechnungsrichtlinien richtig zu interpretieren und derweil ein Beleg nach dem anderen unabgerechnet an seinen Besitzer zurückkehrt, entgegnet die Landesrätin, dass sie sich nun, da sie schon sehr oft auf die Abrechnungsproblematik in der Kulturabteilung angesprochen wurde, sich des Themas annehmen werde.
 

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